Abschaffung der Jagd

Joachim Caspary Private Website

Abschaffung der Jagd   

Ein Plädoyer von Joachim Caspary

"Dem Tier gegenüber sind heute alle Völker mehr oder weniger Barbaren. Es ist unwahr und grotesk,
wenn sie ihre vermeintliche hohe Kultur bei jeder Gelegenheit betonen und dabei tagtäglich die scheußlichsten Grausamkeiten an Millionen von wehrlosen Geschöpfen begehen oder doch gleichgültig zulassen."

Alexander von Humboldt (1769-1859)

Mein Urururururgeoßvater mütterlicherseits war Friedrich Wilhelm Utsch, genannt der "Jäger aus Kurpfalz". Er lebte von 23.1.1732 - 13.3.1795 in Rheinböllen und war, wie seine Vorfahren, Erbförster des Mainzer Kurfürsten im Soonwald, also eine Art Polizeipräsident. In dieser Eigenschaft fing er den berüchtigten "Schinderhannes", eine Robin Hood des Hunsrück, der reiche Kaufleute ausraubte und einen Teil der Beute den Armen schenkte, damit diese ihm Schutz böten; ein damals erfolgreiches Geschäftsmodell. Der Schinderhannes wurde dann hingerichtet, während mein Vorfahre geehrt wurde mit dem bekannten Lied und einem Denkmal am Forsthaus Entenpfuhl bei Bad Sobernheim.


Früher bin ich gelegentlich aus Neugier mit auf die Jagd gegangen, ohne jedoch selbst zu schießen. Damals hielt ich die Jagd noch für einen normalen Teil menschlicher Kultur in verschiedenen zeitlichen und lokalen Traditionen.


Einmal bekam ich in Frankreich eine Schrotkugel an die Stirn, die über ein Waldstück heran geflogen kam. Dies führte zwar nur zu einem kleinen Blutstropfen, hätte aber auch leicht - im wahrsten Sinne des Wortes - ins Auge gehen können.


In der Türkei wurde ich von freundlichen Dörflern zu einer Wildschweinjagd mitgenommen. Trotz mehrstündiger Suche fanden wir zwar keins, das Jagdfieber wurde aber so stark, dass mein türkischer Begleiter vor Aufregung fast seinen eigenen Hund erschossen hätte, weil er ihn für eine Sau hielt. So gingen wir leer aus, was auch besser war, denn wie sich herausstellte, hätten die Jäger mir das erlegte Tier geschenkt, da sie als Moslems sein Fleisch nicht aßen. Wie aber hätte ich als Camper im VW-Bus ein Wildschwein zubereiten sollen?


In einer italienischen Stadt geriet ich einmal in die Demonstration einer aufgebrachten Menge von ein paar hundert Leuten. Ich versucht zu verstehen, was auf den Plakaten und Bannern stand. Es ging um "caccia", also die Jagd; soviel verstand ich. Aha, schön, dachte ich; diese Menschen möchten wohl nicht mehr dass in Italien jeder der ein Schießeisen hat, wild herumballern darf, und dass jährlich Millionen Zugvögel auf dem Weg zwischen Nordeuropa und Afrika gefangen und getötet werden. Leider stellte sich jedoch heraus, dass die wütende Menge gegen die geplante Einführung eines Jagdgesetzes demonstrierte, welches dem wilden Treiben gewisse Regeln auferlegen sollte.


Ein Freund von mir ist Narendra Singh, der Maharaja von Udaipur. Mit ihm und den Marwari-Pferden aus seiner Zucht bin ich mehrmals und länger durch den indischen Bundesstaat Rajasthan geritten; er hat mich auch in München besucht. In seinen jungen Jahren hatte er auf Bitten der Bauern etliche Tiger erlegt. Inzwischen ist er zum engagierten Schützer dieser wunderschönen Großkatzen mutiert.


Ein inzwischen verstorbener wohlhabender Nachbar hatte als passionierter Jäger sein Haus von oben bis unten mit sicher etwa hundert Trophäen geschmückt. Es waren auch solche dabei, die er als Großwildjäger aus Afrika mitgebracht hatte. Dass der Mann auch noch Tierarzt war, mit eigener Praxis, konnte ich mir nie erklären.


Der Jagdpächter des Gebietes in dem ich früher wohnte, drohte meinen geliebten Hund Tara zu erschießen, weil dieser zweimal hinter einem Hasen hergelaufen war. Zunächst hatte ich versucht den Jäger mir wohlgesonnen zu stimmen indem ich ihm erklärte Tara gut zu erziehen und unter Kontrolle zu halten, damit er nicht wildere. Außerdem teilte ich ihm meine Bereitschaft mit, jeglichen Schaden zu ersetzen den Tara gegebenenfalls anrichten würde, wie z.B. das Töten eines Hasen. Nachdem dieser Jäger seine Drohung dennoch wiederholte und sogar versuchte Tara vor meinen Augen mit seinem Auto anzufahren, begann ich, mich mit dem Thema "Jagd" näher zu beschäftigen.


Durch meine Recherchen, vor allem im Internet, kam ich immer mehr zu der Überzeugung dass die Jagd grausam und nicht mehr zeitgemäß ist, und daher abzulehnen und abzuschaffen sei, auch wenn dies noch Generationen dauern würde. Ich fühle keinen Hass gegen Jäger allgemein, da es unter ihnen sehr unterschiedliche Charaktere gibt und einige sogar zu meinen näheren Verwandten, Freunden und Nachbarn zählen.

Argumente zur Abschaffung der Jagd:


  • Die Jagd ist ein ständiger Krieg gegen die Wildtiere. Die Tiere kennen die Bedrohung durch den Menschen, sind ständig vor ihm auf der Hut und der Flucht. Dadurch bekommen wir sie nur selten zu Gesicht. Unsere Natur ist eine schöne Kulisse aber es fehlen die Darsteller.
  • §1 des bundesdeutschen Tierschutzgesetzes: "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen". Die Realität: Die Jagd ist ein Hobby, ein Sport, eine Freizeitbeschäftigung, ein gesellschaftliches Ereignis. Geländewagen und moderne Waffen mit Zielfernrohr lassen Tieren keine Chance. Tiere werden auch im Ausland gezüchtet und hier zum Jagen ausgesetzt. Jagdtouristen begeben sich nach Afrika und in die Mongolei, um dort seltene Tiere zu töten. In den USA werden Mustangs aus Spaß von Helikoptern aus abgeschossen.
  • Durch das Schießen der Jäger geschehen viele Unfälle. Jäger töten jedes Jahr bundesweit einige Zig Menschen und verletzen hunderte. Opfer werden immer wieder ihre Jagdgenossen, ihre Hunde, Jogger, Spaziergänger, Reiter, Biker, Liebespaare und andere unbeteiligte Passanten. Die Ursachen sind vielfältig; es geschieht bewusst durch Ärger, Streit, Beziehungsprobleme, psychische Erkrankung, oder aus Versehen, schlechter Sicht, Missachtung von Regeln, Querschläger, Verwechslungen, Demenz usw.
  • Die Jagd führt zur Verrohung. Das ständige Töten von Tieren führt dazu, das die Jäger ihr Mitgefühl langsam verlieren. Sie können nicht jedesmal weinen, wenn sie ein zartes Reh getötet haben. Viele behandeln ihre Hunde wie Sklaven, manche verhalten sich auch so gegenüber ihren Mitmenschen und die Hemmschwelle zum Töten sinkt allgemein, ähnlich wie bei Soldaten. Sogar Haustiere wie Katzen und Hunde, geliebte Hausbewohner aus der Nachbarschaft, werden zu Opfern. Meinem Freund Uli G. wurde der Dackel von nachbarlichen Jagdgast erschossen, weil er angeblich wilderte.
  • Die wahren Gründe für die Jagd sind Lust am Töten, Ausübung von Macht und Gewalt, Trophäensucht. Kein Jäger ist heute mehr angewiesen auf das Töten von Wildtieren, um seinen Hunger zu stillen und zu überleben. Wir leben nicht mehr in der Steinzeit. Die Argumente der Jäger (Hege, Naturschutz, Nachhaltigkeit...) dienen dazu, ihr Tun vor sich selbst und anderen zu rechtfertigen und sind alle widerlegbar.
  • Wir können auch mit "gefährlichen" Wildtieren zusammenleben. Die Beachtung der Forschungsergebnisse der Wildbiologie ermöglichen es uns, auch mit potentiell für den Menschen gefährlichen Tieren, wie Bär, Wolf, Großkatzen zusammen zu leben. Solche Tiere leben in vielen Ländern in Freiheit, weil die Menschen es verstehen mit ihnen umzugehen. Wir müssen den Tieren genügend Lebensraum lassen und ein geeignetes Wildtiermanagement ausüben. Restrisiken gilt es zu minimieren, ähnlich wie wir es mit dem Auto- oder Flugverkehr tun.
  • Blei-Munition vergiftet die Natur. Das Blei, besonders in der Schrot-Munition vergiftet Böden, Grundwasser. Durch Tiere, welche es verschlucken und dann von uns gegessen werden, kommt es auch zu uns Menschen in die Nahrung.
  • Es gibt bereits viele Gebiete, ja Länder ohne Jagd. Ob es das Land Himalaya-Bhutan ist, oder der Schweizer Kanton Genf, in vielen Gebieten ist bereits die Jagd verboten und die Welt geht dort nicht unter. Wild und Mensch leben dort friedlich und harmonisch zusammen. All die Argumente der Jäger für die angebliche Notwendigkeit zum Jagen werden dort ad absurdum geführt.

Argumente der Jäger und was ich davon halte:


  • Die Jagd ist eine alte Tradition. Das stimmt zwar, aber muss alles, was eine alte Tradition ist, deswegen gut sein? Auch andere alten Traditionen sind inzwischen weitgehend abgeschafft und auf den Müllhaufen der Geschichte der menschlichen Zivilisation gelandet: ägyptischer, griechischer, römischer Götterglauben; Frauenraub, Gladiatorenkämpfe, Sklaverei, Folter, Todesstrafe...
  • Die Jagd ist notwendig zur Eindämmung einiger Arten, die sich mangels natürlicher Feinde sonst zu stark vermehren. Es waren und sind die Jäger, welche die Bären, Wölfe, Luchse, Elche usw. ausgerottet haben und sich gegen ihre Wieder-Ansiedlung wehren. In Gebieten ohne Jagd reguliert sich der Wildbestand durch natürliche Gegebenheiten weitgehend selbst.
  • Die Jagdgesetze regeln die Jagd und schützen das Wild. Das Bundesjagdgesetz geht in seinen Grundzügen noch heute auf das Reichsjagdgesetz von 1934 zurück – erlassen von Hermann Göring, Hitlers Reichsjägermeister. Es dient nicht dem Schutz der Wildtiere sondern den Jägern.
  • Jäger schießen vorwiegend alte, kranke sowie überzählige Tiere und tragen so zum gesunden Wildbestand bei. Aus der Ferne können Jäger oft nicht den Zustand der Beute erkennen. Manche Beute wird schwer verletzt und nicht gefunden. Trotz "Schonzeiten" werden die familiären Zusammenhänge der Jagdbeute zerstört und großes Leid angerichtet, z.B. wenn Fuchskinder im Bau verhungern weil ihre Mutter getötet wurde.
  • Füchse töten in der Nacht das Geflügel der Bauern. Nachdem ich meinen Hühnerstall mit einer automatischen Klappe ausgerüstet hatte, wurde mir kein einziges Huhn mehr von einem Fuchs geholt.
  • Füchse müssen bejagt werden, weil sie Überträger der Tollwut und des Fuchsbandwurms sind. Dann müssten wir auch unsere Hunde ausrotten. Hier helfen Impfaktionen durch ausgelegte Köder besser. Deutschland gilt seit 2008 als praktisch Tollwut frei und es ist kein Fall dokumentiert, in dem ein Mensch sich mit Fuchsbandwurm-Eiern infizierte, weil er Waldbeeren gegessen hat über die vorher ein Fuchs uriniert hatte.
  • Wölfe töten Schafe in den Herden. Die Schäfer sperren hunderte Schafe zusammen, die vor den Wölfen nicht fliehen können und der Wolf dadurch in einen Mordrausch fällt. Hier schafft der Mensch das Problem und gibt dem Wolf die Schuld. Durch geeignete Maßnahmen wie Elektrozäune und Herdenschutzhunde können die Schafe geschützt werden.
  • Dachse sind schädlich, weil sie Mais, Trauben und anderes fressen was Menschen anbauen, durch ihre unterirdischen Baue Deiche undicht machen oder Fahrzeuge zum umkippen bringen können. Mit ähnlichen Argumenten müsste man eigentlich alle Wildtiere ausrotten. Haben die Menschen das alleinige Recht auf Nutzung der Natur? Müssen wegen der relativ geringen Schäden jährlich in Deutschland 70 Tausend dieser friedlichen, schönen Tiere geschossen werden? Hier geht es wohl mehr um den Spaß am Ballern, als am Nutzen für Rasierpinsel, Hutschmuck oder Fleischverzehr.
  • Biber fällen Bäume und untergraben die Böschungen von Gewässern. Wenn die Bauern einen Uferstreifen an Gewässern nicht mehr beackern dürfen, werden ihre Traktoren auch nicht mehr durch Biberbauten umfallen.
  • Jäger lieben und achten die Natur; hegen und pflegen sie. Die Jäger hegen nur, was sie nachher schießen wollen. Hegen kann man auch gut und noch besser, ohne Wildtiere zu töten. Wie kann ich töten, was ich liebe? Wen hegt der Großwildjäger, der in Afrika Elefanten erlegt?
  • Das Geld, welches durch Abschuss-Lizenzen für Großwild in Reservate fließt, kommt dem Naturschutz zu gute. Durch Öko-Tourismus kann auch viel Geld eingehen, ohne dass Giraffen oder Löwen dafür erschossen werden müssen.
  • Deutschland ist wegen der hohen Bevölkerungsdichte kein Naturland, in dem gefährliche Wildtiere Platz haben, sondern ein Kulturland. Wir haben die Bevölkerungsexplosion, welche wir z.B. in Afrika so beklagen, bereits in den vergangenen 2 - 3 Jahrhunderten hinter uns gebracht. Es ist höchste Zeit, die Anzahl der Menschen wieder zu reduzieren.
  • Die Jagd schützt die Bauern vor der Verwüstung ihrer Felder. Obwohl ich viel in der Natur unterwegs bin, habe ich noch nie im Leben ein verwüstetes Feld gesehen. Das gibt es zwar, aber wer gibt den Menschen das Recht, über die Nutzung einer Landschaft alleine zu verfügen? Sie geben sich selber das Recht.
  • Ohne Begrenzung der Wildbestände richtet der Wild-Verbiss den Wald zu Grunde. Jahrmillionen gab es reichlich Wald. Die Menschen haben in den letzten zweitausend Jahren 90% der Wälder abgeholzt. Was noch übrig ist, besteht meist aus Monokultur zur schnellen Holz-Gewinnung. Zäune schützen junge Bäume, kosten aber Geld und verursachen Arbeit.
  • Der Bergwald hat ohne Kontrolle der Gams- und Reh-Bestände keine Chance, die Erosion aufzuhalten. Die Erosion ist ein langfristig unaufhaltsamer geologischer Prozess des Hebens und Abtragens der Berge. Menschen sollten dort besser nicht bauen, wo Steinschlag, Muren und Lawinen drohen.
  • Wildtiere haben ein besseres Leben als Nutztiere in Massentierhaltung. Das ist zwar richtig. Man kann aber auch vegetarisch leben oder Fleisch essen von Tieren, welche schonend gehalten und getötet wurden. Der Krieg in Wald und Flur ist dazu nicht notwendig. Ohne Jagd hätten die Wildtiere ein noch besseres Leben.
  • Jagd- und Schützenvereine fördern den Zusammenhalt und die Wehrfähigkeit der Bevölkerung. Viele andere Vereine für sportliche, musikalische oder oder spielerische Aktivitäten fördern auch das Miteinander. Sicherheit wird besser durch Schüleraustausch, Tourismus, Handel und Diplomatie gewährleistet als durch Schießen.

Weitere Infos:

http://www.lusttoeter.de/

https://www.abschaffung-der-jagd.de/

https://www.tierrechte-bw.de/index.php/jagdfreie-und-jagdberuhigte-gebiete-laender.html

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