Absturzgefahr

Joachim Caspary Private Website

Absturzgefahr  

Texte von Joachim Caspary

Ob man es glaubt oder nicht, mit dem Fliegen habe ich so einiges Schauerliche erlebt: 



- Einen tödlichen Absturz gesehen, 

- ein gefährliches Feuer im Flieger entdeckt, 

- bei einem schauerlichen Flug Passagiere weinend und betend erlebt,

- einer haarigen Bruchlandung zugeschaut, 

- eine unnötige Notlandung fast selber verursacht, 

- einen gefährlichen Gleitschirmflug unternommen, 

- ein großes Loch im Flügel bemerkt.



Inzwischen bin ich schon sehr viel geflogen, habe ich doch Nepal über 60 Mal bereist, Thailand, Indien, China jeweils über 10 Mal, sowie viele weitere Länder in Asien und Arabien, aber auch einige Reisen nach Nord- und Südamerika hinter mir. 

An einige Flüge habe ich aber noch recht grausige Erinnerungen und weiß nicht, wie knapp ich dabei dem Tod entronnen bin. Aber der Reihe nach...

Absturz einen Starfighters in Spangdahlem

Als Schüler fuhr ich gerne von meiner Heimatstadt Trier zum unweit in der Eifel gelegenen amerikanischen Fliegerhorst Spangdahlem. Dort wurde jedes Jahr von der Air Force eine Flugshow veranstaltet, welche besonders bei der technisch interessierten deutschen Bevölkerung auf großes Interesse stieß.

Die verschiedensten Militärflugzeuge konnte man direkt anschauen und Flugvorführungen aller Art begeisterten das Publikum.

Ein Starfighter Pilot erstaunte mich besonders mit seinen tiefen Überflügen mit hoher Geschwindigkeit. Er flog wohl schneller als der Schall, denn man hörte ihn nicht kommen, sondern ging in die Knie vor Schreck, wenn er schon vorbei war und nur noch sein weißglühenden Turbinenausgang zu sehen war. Immer wieder verschwand er um fernab zu drehen und dann überraschend aus unerwarteter Richtung über unsere Köpfe hinweg zu fegen. Als besonders waghalsig bestaunte ich einen Überflug in Rückenlage und geringer Höhe über der Landebahn. Ich hätte vorher so etwas überhaupt nicht für möglich gehalten.

Nach einem weiteren Überflug schien der Kampfjet nicht mehr richtig in die Höhe zu kommen und raste dann in den Boden. Wir trauten unseren Augen nicht, als wir in zwei, drei Kilometern Entfernung einen Rauchpilz aufsteigen sahen und dachten zunächst, dies sei vielleicht ein Teil der Show. Bis dann nach einigen Minuten stiller Ratlosigkeit eine Lautsprecher Durchsage den Absturz bekannt gab und später die traurige Gewissheit bestätigte, dass der Pilot ums Leben gekommen war. Die Show wurde abgebrochen und bedrückt schweigend ging das Publikum nach Hause.

Brand im Flug nach Kairo

Einer meiner ersten Flüge, es war wohl im Jahr 1965 führte mich im Alter von 17 Jahren mit der rumänischen Fluggesellschaft TAROM von Constanza (Badeurlaub mit Freundin Sigrid) in Rumänien nach Kairo. Nach dem Start der zweimotorigen Propellermaschine über dem Mittelmeer ertönte im Heck der Maschine ein seltsames Klappergeräusch, das langsam immer stärker wurde. Die Flugbegleiterin begab sich ins Cockpit, um den Piloten zu informieren, der daraufhin mit einer großen Zange zwischen den besorgten Blicken der Passagiere hindurch nach hinten ging. Nach einer Weile ging er wieder etwas schneller nach vorne und kam mit einer sehr großen Zange wieder nach hinten. Nach einiger Zeit hörte das Klappern auf. Alle Besorgnis legte sich, sowie auch die Flugbegleiterin auf den Sitz hinter mir zum Schlafen. Plötzlich bemerkte ich vor mir – ich saß in der ersten Reihe – hinter dem Vorhang zur Bordküche Rauch hervorquellen. Nachdem dieser immer stärker wurde, wurde ich misstrauisch und schaute hinter den Vorhang. Da staunte ich nicht schlecht: die Kaffeemaschine hatte wohl einen Kurzschluss verursacht und ein Teil der Wandverkleidung stand lichterloh in Flammen. Schnell rüttelte ich die Stewardess wach, die wieder zum Piloten rannte und gemeinsam mit diesem mit einem Feuerlöscher den Brand bald unter Kontrolle bekam, bevor wir endlich in Kairo landeten. Die Pyramiden dort sind glücklicherweise nicht brennbar und können auch nicht abstürzen.

Lebensgefährlicher Flug von Bangkok nach Dhaka

Etwa zehn Jahre später, 1975, saß ich mit meiner ein Jahr alten Tochter Maya in einem Flieger von Bangkok nach Dhaka. Eigentlich wollte ich nach Kathmandu, aber der billigste Flug mit Bangladesch Biman verkehrte über die Hauptstadt. Lange flogen wir in einer ziemlich leeren Boeing 707 über dem schier endlosen Dschungel von Burma, als es plötzlich einen ungeheuren Schlag in einem der Triebwerke tat, so dass die Maschine einen Ruck um die Hochachse vollführte. Da hatte es wohl ein Triebwerk richtig zerrissen. Die Passagiere schreckten aus ihren Sitzen hoch und erwarteten Schlimmes. Kurz darauf verstummte auf der anderen Seite auch ein Triebwerk mit einem hässlichen Absterbe Geräusch. Zwei vor mir sitzende Angestellte der Fluggesellschaft eilen nach vorne zum Piloten und kamen kurz darauf totenstill und kreidebleich zurück auf ihre Sitze. Dieser Anblick und die Tatsache, dass wir uns im leichten Sinkflug langsam den Baumwipfeln des Dschungels näherten, führten zum Schweißausbruch bei mir. Es war das erste und letzte Mal, dass ich wirklich Todesangst verspürte und Menschen im Flugzeug weinen und beten sah.

Obwohl der Pilot mit gequetschter Stimme unter Erwähnung eines „kleinen Problems“ eine Landung in Chittagong ankündigte, hielt die Maschine mit nur zwei laufenden Motoren dann doch noch bis Dhaka durch; ob wegen der wenigen Passagiere oder der in geringen Höhen dickeren Luft, weiß ich nicht.

Der Weiterflug nach Kathmandu am nächsten Tag verlief glücklicherweise problemlos.

Bei einer Bruchlandung in Kathmandu zugeschaut

Ungefähr im Jahre 1976 befand ich mich in der Abflughalle des Flughafens Kathmandu. Auf den Aufruf zum Abflug nach Bangkok wartend, schaute ich aus dem großen Fenster und beobachtete die startenden und landenden Flugzeuge auf dem bis heute einzigen Runway der Hauptstadt Nepals. Als eine zweimotorige Propellermaschine der Indian Airlines, aus Delhi kommend, zur Landung auf die Bahn aufsetzte, ging dies zunächst ganz normal vor sich. Zuerst berührten die beiden Hauptfahrwerke den Boden, dann senkte sich langsam die Flugzeug-Nase und das Bug-Fahrwerk setzte auf. Plötzlich und unerwartet aber begann es heftig zu flattern, als wenn das Rad so blockiert wäre, dass es Mangels Drehung immer wieder nach hinten und vorne gerissen wurde. Diese Bewegung wurde schneller und heftiger, bis nach wenigen Sekunden das Bugfahrwerk ganz abbrach. Langsam senkte sich das immer noch schnell dahinrasende Flugzeug vorne nach unten, bis die Nase über den Boden schliff. Durch die Reibung entstand ein Feuerwerk aus Funken, die über das ganze Flugzeug strömten. Allmählich verlor die Maschine an Fahrt und kam zu stehen.

Entsetzt beobachtete ich das Schauspiel, welches zunächst nur wenige der anderen Fluggäste in meiner Nähe, die zufällig aus dem Fenster geschaut hatten, auch mitbekamen. Plötzlich jedoch erhob sich ein Raunen und alle drückten sich ans Fenster. In der Befürchtung, die bruchgelandete Maschine könne durch den Funkenregen anfangen zu brennen, erwartete ich gebannt die Ankunft der Flughafenfeuerwehr und das Ausbringen der Notrutschen, um die Insassen in Sicherheit zu bringen. Zu meiner Überraschung geschah jedoch zunächst: Nichts.

Einige Bedienstete des Flughafens, die auf Roll- und Parkflächen beschäftigt waren, liefen zu der Maschine und schauten sie in gebührendem Abstand an, ohne etwas unternehmen zu können.

Endlich, nach einer gefühlten Viertelstunde kam aus einem nahen Schuppen ein Feuerwehrwagen mit TATÜTATA angezockelt und die Männer begannen mit großem Eifer Schaum unter das Flugzeug zu spritzen. Dies kam mir etwas lächerlich vor, da ich annahm, die Feuerwehrleute waren nicht bereit zum Dienst und / oder das Feuerwehrauto war zunächst nicht angesprungen und nun war das sicher zunächst glühende Metall des Flugzeugbodens wohl bereits wieder weitgehend abgekühlt.

Endlich öffneten sich dann auch die Türen, die Notrutschen wurden aufgeblasen die Passagiere rutschten hinunter.

Wir schauten dem Schauspiel lange zu, das havarierte Flugzeug war mangels schwerem Gerät nicht von der Stelle zu bewegen, der gesamte Flugverkehr musste eingestellt werden. Mein Flugzeug aus Bangkok wurde nach Indien umgeleitet, und alle abfliegenden Fluggäste bis zum nächsten Tag in Luxushotels untergebracht, so auch ich.

Eine Notlandung fast selbst verursacht

Diese Sache berichte ich ungern, da sie mir etwas peinlich ist. Im Sommer 1977 hatte ich meinen Flugschein bestanden und war sehr stolz darauf. Einmotorige Flugzeuge durfte ich nun selbst fliegen; ein Traum war in Erfüllung gegangen. Sehr viel hatte ich dafür lernen müssen und billig war er auch nicht gewesen. Allerdings fehlten mir noch Routine und Erfahrung. So war ich eines Tages mit drei Fluggästen in einer Cessna unterwegs zu einem Rundflug. Die Maschine hat vorne am Instrumentenbrett zwei Stangen die sich hineinschieben und herausziehen lassen. Die linke mit dem roten Knopf dient durch hineindrücken zum Beschleunigen des Motors und unterbricht beim Herausziehen die Benzinzufuhr, so dass der Motor in den Leerlauf gerät und stehen bleiben kann. Die rechte Stange mit dem grauen Knopf führt beim herausziehen dem Vergaser warme Luft zu, um die gefürchtete Vereisung des Vergasers bei bestimmten Luftdruck- und Temperaturzuständen zu verhindern bzw. aufzulösen. Die warme Luft führt jedoch zu einer Leistungsminderung des Motors.

Als mein Motor etwas unruhig zu laufen begann, zog ich am Knopf um die Vergaser-Erwärmung zu betätigen. Anstatt wieder ruhiger zu werden stotterte der Motor jedoch stärker, so dass ich die Stange wieder hineindrückte. Nachdem der Motor wieder besser, aber immer noch unruhig lief, versuchte ich es nochmal beherzter. Zu meinem Schrecken stotterte der Motor heftiger als vorher und drohte ganz stehen zu bleiben. Meine Mitfliegenden blickten besorgt; ich blieb scheinbar gelassen, schwitzte aber gehörig.

Mit einem Blick aus dem Fenster bereitete ich mich gedanklich darauf vor, einen Notlandeplatz auszuwählen. Beim Blick zurück auf meine Hand kam es wie ein Blitz über mich als ich bemerkte, dass ich versehentlich die falsche Stange, gezogen hatte, nämlich die mit dem roten Knopf zum Abstellen des Motors! Nach Ziehen der richtigen, rechten Stange mit dem grauen Knopf lief der Motor wieder ruhig und ich setzte gelassen lächelnd den Flug fort. Gedanklich schwor ich mir, diesen dummen Fehler nie wieder zu begehen.

Erster, riskanter Gleitschirmflug

Wohl um die Mitte der 1990er,Jahre überredete mich ein Bekannter, mal mit einem Gleitschirm das Fliegen zu probieren. Er hatte einen der ersten neu aufgekommenen Paraglider ausgeliehen und selbst erst einmal einen kleinen Flug versucht. Begeistert stimmte ich zu und wir fuhren von München Richtung Süden um eine geeignete Stelle zu suchen, die wir schließlich in der Gegend von Oberammergau gefunden zu haben uns einbildeten. Wir bestiegen einen kleinen Berg und ich rannte ohne die geringste Vorkenntnis oder Schulung genossen zu haben mit dem Schirm die Wiese hinunter. Zu meiner großen Überraschung befand ich mich in Sekunden hoch in der Luft und erlebte ein euphorisches Glücksgefühl. Dies wurde jedoch rasch von der beklemmenden Erkenntnis abgelöst, dass ich eigentlich keine Ahnung davon hatte, wie ich wieder heil auf den Boden kommen könne. Wie in der Fliegerei allgemein üblich und allseits bekannt ging hier weniger um das „ob“, als um das „wie“. Glücklicherweise behielt ich einen kühlen Kopf, besann mich meiner Privatpiloten Kenntnisse, um die Landung einzuleiten. Schwungvoll rauschte ich knapp über ein mit Geröll gefülltes Bachbett sowie einen Stacheldrahtzaun und purzelte auf eine zur Landung eigentlich viel zu kleinen Wiese. Die Gefahr in die ich mich leichtsinnig begeben hatte, wurde mir eigentlich erst viel später beim Besuch eines Gleitschirmkurses bewusst. Beim abschließenden Prüfungsflug landete ich zwar mit dem Fuß auf einem Maulwurfshügel und brach mir denselben, erhielt den Flugschein dennoch wegen ordentlicher Flugvorbereitung, problemlosem Flug und sauberer Einleitung der Landung. Danach fuhr ich, mit dem eingegipsten Bein etwas unbeholfen Gas gebend und bremsend, wieder heim.

Loch im Flügel

Um 2010 herum schaute ich während eines Inlandfluges in China gelangweilt aus dem Fenster, während wir in den Landeanflug übergingen. Plötzlich war ich hellwach und traute meinen Augen nicht: im Flügel direkt neben mir erblickte ich ein großes Loch, das da offensichtlich nicht hingehörte. Es war etwa 1,5 Meter lang und 0.5 Meter breit und befand sich mitten im Blech der Landeklappe. Beim genauen Hinsehen konnte ich erkennen, dass das ausgefranste, ovale Loch offensichtlich vorher mit etwas wie einer viereckigen Folie abgeklebt worden war, die sich im Flug durch den Luftzug wohl wieder vollständig abgelöst hatte. Die Flugbegleiterin, welche sich schon zur Landung vorbereitend auf einem Sitz gegenüber mir angegurtet hatte, machte ich auf das Loch aufmerksam. Achselzuckend gab Sie mir zu verstehen, die Piloten nach der Landung zu informieren. Ein schwacher Trost, wusste ich doch aus meiner Flugschulung, dass ein solcher Schaden zum Abriss der Landeklappe und / oder der Strömung führen kann mit dem Effekt, dass sich das Flugzeug schnell und unkontrollierbar um die Längsachse und somit auf den Rücken drehen kann; eine ungemütliche Vorstellung, besonders kurz vor der Landung. Eine lange Landung ohne ausgefahrene Landeklappen auf einer langen Piste wäre hier sicherer gewesen. Unbegreiflich, dass man ein Flugzeug mit einem solchen Schaden noch fliegen ließ, nur mit einem Klebeband versehen anstatt es zu reparieren. Aber in China regiert das Geld und der Wirtschaftsboom führt zu fast stets ausgebuchten Zügen und Fliegern. Wie weit es mit dem Sicherheitsdenken bestellt war, konnte man leicht erkennen an dem fast vollständigen Verweigern des allseits vorhandenen Sicherheitsgurtes im Auto, der (Nicht-) Beleuchtungspraxis vieler Fahrzeuge im Dunkeln sowie der allseits üblichen verantwortungslosen Raserei mit viel zu geringem Abstand auf den zahlreichen neuen Schnellstraßen.

Share by: