Toiletten sind sicher ein anrüchiges Thema. Dennoch möchte ich es hier angehen
und zum Kampf gegen das Klopapier und für eine bessre Toiletten-Hygiene aufrufen.
Die Entwicklung bei uns
Bis vor nicht allzu langer Zeit bediente man sich zum Waschen und Toilettengang Töpfen oder Schüsseln, die man draußen in den Bach oder auf dem Feld entleerte oder einfach aus dem Fenster kippte. Das Herzhäuschen über der Grube oder der "Donnerbalken" im Stall ist manchem noch in Erinnerung. Selbst im Schloss Versailles der französischen Sonnenkönige gab es keinen eigenen Toilettenraum. Später wurden an Häuser und Burgen kleine Erker angebaut, welche die Abfälle über einen langen Schacht nach unten entsorgten. Inzwischen ist es üblich, dass jede Wohnung eine Toilette mit Wasserspülung hat. Klopapier wird aber immer noch benutzt.
Andere Länder, andere Sitten
Erst durch meine Reisen nach Fernost habe ich erkannt, dass unsere "westliche Kultur" speziell in Hinsicht auf Toiletten-Hygiene noch vorsintflutlich ist. In manchen Ländern gibt es derzeit noch schlimmere Verhältnisse als bei uns, in anderen aber ist man uns in Punkto Hygiene überlegen.
- In
Nepal gab es Toiletten, welche an den Schweinestall angrenzen in den die Exkremente direkt hinein rutschen, um sogleich gefressen zu werden.
- In
Tibet sah ich eine Toilette welche nur aus zwei Trittbrettern mit einem Loch dazwischen in einem ansonsten leeren großen Raum bestand. Auf den Brettern hockend konnte man durch das Loch hinabschauen in den Raum darunter, wo sich die Exkremente zu einem meterhohen Kegel auftürmten, der wohl gelegentlich abgetragen wurde um die Felder zu düngen.
- Die "sibirische Toilette", bestehend aus zwei Balken, einen um sich darauf zu setzen und den anderen um die Wölfe abzuwehren, halte ich eher für ein Gerücht.
- In
China sah ich Toiletten, auf denen mehrere Besucher auf einem langen Holzbrett mit Löchern ohne Sichtschutz nebeneinander saßen und sich unterhielten. Gelegentlich hängen an einem Nagel oder Seil zerschnittene Zeitungsseiten zu Benutzung als völlig ungeeignetes Klopapier, die dann zur Vermeidung einer Verstopfung des Klos in einen Drahtkorb fallen gelassen werden.
- Die
indische Toilette hat meist eine Keramikplatte mit Trittflächen. An der Wand befindet sich ein Wasserhahn und darunter steht eine meist rostige Konservendose. Die Anlage ist sinnvoller, als ich zunächst annahm. Zwar fehlt das Klopapier, aber man ist gezwungen sich mit dem Wasser zu säubern, wenn es denn fließt. Zur Benutzung gehört einige Übung, denn eigentlich bräuchte man vier Hände: Eine um sich an der Rückwand abzustützen um nicht nach hinten zu fallen, die zweite um seine Hose vorne hoch zu halten damit sie nicht ins Loch rutscht, die dritte, um das Wasser aus der Dose über den unteren Rücken nach unten fließen zu lassen und eine vierte, unbedingt linke Hand (mit der rechten isst man), um sich zu säubern. Manchmal gibt es auch einen kleinen Wasserschlauch mit Po-Dusche. Hat man es mit Geschick und Übung geschafft, alles mit zwei Händen zu erledigen, ist man wirklich sauber gewaschen und auch der Abort ist gespült.
- Auch Araber nutzen meist Wasser um sich zu säubern. Ich weiß von den arabischen Flüchtlingen bei uns, dass sie oft unglücklich sind über das Fehlen von Po-Duschen in unseren Toiletten und das Klopapier zurecht verabscheuen.
- Eine Fortentwicklung dieser Wasserreinigung ist die
japanische Toilette, welche sich langsam auch in Luxushotels in China, anderen asiatischen Ländern und ganz langsam auch im Westen verbreitet. Hier bewegt sich in der Kloschüssel auf Knopfdruck durch den Druck des Wassers oder elektrisch ein kleines Rohr von der Seite zur Mitte und spritzt einen Wasserstrahl nach oben. Je nach Ausführung können die Wassertemperatur, Strahlkraft, -breite usw. fein geregelt oder noch ein Gebläse dazu geschaltet werden. An sich eine sehr feine und angenehme Sache, wenn nicht japanische Technik-Verliebtheit darin kulminiert, dass man die Funktionen der diversen Stellknöpfe erst nach Durcharbeitung eines dicken Handbuches versteht. Ein Ausprobieren der Funktionen unter Augenschein kann schnell buchstäblich ins Auge gehen.
- Die
heimische Toilette kann man mit geringem Aufwand ähnlich hygienisch gestalten, indem man die Badewannen-Brause oder eine billige, an das Waschbecken angeschlossene Handdusche verwendet, und sich selbst sowie Toilettenschüssel damit abbraust. Wenn man sich dann mit einem kleinen Handtuch trocken tupft, spart man Klopapier, Klobürste, Salbe für wunden Po, Arztkosten für Hämorrhoiden-Behandlung, Waschmittel und Strom für häufiges Wäschewaschen.
Joachim Caspary 2020