Artikel 1, Satz 1 des Grundgesetzes: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."
Dieser Artikel hat den Menschen in Deutschland nach den Schrecken des Nazi-Regimes und der Weltkriege viel Gutes gebracht. Todesstrafe und Folter sind abgeschafft, "lebenslang" bedeutet, dass nach 15 Jahren eine Überprüfung der Haft stattfinden muss. Alle Menschen müssen mit Würde behandelt werden, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion, Hautfarbe, Gesundheit, Behinderungen, sexueller Orientierung, Meinung usw.
Dieses Gesetz ist, wie alle anderen auch, von Menschen und für Menschen gemacht. Es geht davon aus, dass der Mensch das Maß aller Dinge ist. Wo aber bleibt das Recht und der Schutz der übrigen Lebewesen dieser Erde?
"Macht euch die Erde untertan" (Die Bibel, Genesis 1,28). Die Einheitsübersetzung der christlichen Bibel von 2016 schreibt: "Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen."
Einige kirchliche Exegeten möchte zwar in diesem angeblichen Ausspruch Gottes den Begriff "fürsorglich" hineininterpretieren, aber die Jahrtausende alte Praxis der Gläubigen der abrahamistischen Religionen zeigt, dass mit Tieren und Pflanzen nach Gutdünken umgegangen wurde und wird. Die Mitlebewesen werden nicht nur zur menschlichen Nahrung getötet, sondern auch zu Zwecken des (Aber-) Glaubens getötet (Tieropfer...), aus Gier nach Reichtum gequält (Massentierhaltung...), als Nahrungskonkurrenten ausgerottet (Wolf...), aus Eitelkeit zur lebenslangen Qual gezüchtet (Mops...), aus Spaß am Töten ermordet (Hobby-Jagd...) bis hin zur Massenbelustigung (Stierkampf...). Unerwünschte Pflanzen werden großflächig vernichtet (Herbizide...) um eine ungestörte Produktion im Rahmen intensiver Landwirtschaft zu ermöglichen. Hierbei wird nicht nur der eigentliche Schädling vernichtet, sondern die gesamte Bodenfauna in Mitleidenschaft gezogen.
Inzwischen werden auch aus Bequemlichkeit und Gedankenlosigkeit mit Kunststoff-Produkten die Böden belastet und die Gewässer vermüllt so dass es bald mehr Plastik als Fische im Meer geben wird.
Bei all dem wird weder auf das einzelne Lebewesen Rücksicht genommen, noch auf die ökologischen Zusammenhänge, welche die Evolution in Jahrmillionen hervorgebracht hat.
Speziezismus
Der Rassismus ist die Diskriminierung der menschlichen "Rassen", ein Begriff dessen Existenz von der Wissenschaft neuerdings sogar abgelehnt wird. Dennoch ist der Rassismus zwar in vielen Köpfen weltweit immer noch prävalent, aber inzwischen verpönt. Der Rassismus nimmt nach Jahrtausenden nun langsam den Weg auf den Müllhaufen der Geschichte der menschlichen Zivilisation. Hier ist er und wird er sein, in guter Gesellschaft mit Frauenraub, Sklaverei, Folter, Todesstrafe, Krieg, Jagd, Homophobie.
Wer aber hat sich schon mit dem Begriff des Speziezismus auseinandergesetzt? Dieser ist dem Rassismus gewissermaßen übergeordnet, als Diskriminierung nicht nur der menschlichen "Rassen", sondern auch der diversen Arten des Planeten. Sicher fällt es uns als Mensch schwer, uns vom Überlegenheitsgefühl über die anderen Mitlebewesen zu verabschieden. Wenn wir uns aber bewusst werden, dass viele Lebewesen schneller laufen, höher fliegen, länger tauchen, kräftiger heben, feiner hören, intensiver riechen, klarer sehen, flinker reagieren können, als wir Menschen, sollten wir unsere "Überlegenheit" relativieren. Wenn uns die Wissenschaft nun noch zunehmend zeigt, wie Tiere und Pflanzen kommunizieren, wie sie fühlen und denken, konkurrieren und kooperieren, dann sollten wir uns vom Glauben an unsere Einzigartigkeit verabschieden, und uns Menschen stattdessen begreifen lernen, als Teil der unvergleichlich schönen Schöpfung bzw. Evolution. Dem Schutz der anderen Spezies gehört mindestens die gleiche Bedeutung zugeteilt, wie dem Schutz und der Würde des Menschen.
"...unantastbar"
Eigentlich ist ein Gefängnis-Urteil ein Antasten der Würde des Menschen, aber nicht die Zerstörung der Würde. Ebenso der Zwang zu einer Dienstpflicht wie z.B. der Wehrpflicht. Ein Begriff wie "unzerstörbar" wäre vielleicht korrekter.
Änderungsvorschlag:
Unter Berücksichtigung des oben genannten, wäre mein Vorschlag zur Änderung des Artikel 1, Satz 1 des Grundgesetzes wie folgt:
Die Würde des Lebens ist unzerstörbar...
Unmöglichkeit der Änderung?
Artikel 19, Satz 2 des GG lautet: "In keinem Falle darf ein Grundrecht in seinem Wesensgehalt angetastet werden."
Die Frage ist nun, ob mein Änderungsvorschlag diesen Tatbestand erfüllen würde. Dann wäre die Änderung legal unmöglich und könnte nur durch eine Revolution mit neuer Verfassung geschehen. Dies wird hier nicht angestrebt.
Da allerdings der Begriff "Leben" alle Lebewesen, also auch den Menschen mit einschließt, sehe ich in der angestrebten Änderung des Gesetzes keinen Verlust des Rechtes sondern eine Erweiterung und Vervollständigung zum Schutze nicht nur des menschlichen, sondern allen Lebens auf dieser Erde. So würde der
Artikel 1, Satz 1 des GG helfen, nicht nur dem Rassismus sondern auch dem Speziezismus ein Ende zu bereiten.