Wir verabschieden uns heute mit Schmerzen von der sterblichen Hülle Chee Ming Ludwigs.
Unser Verständnis vom Beginn eines Lebens hat in den letzten hundert Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Vom Ende des Lebens wissen wir jedoch immer noch fast nichts. Und wo man nichts weiß, setzt der Glaube ein, und die Hoffnung, das irgend etwas weitergeht, dass man irgendwann wieder beieinander ist.
Jeder hier hat Chee Ming in einer anderen Perspektive gekannt und geliebt: Als sanfte Ehefrau, als liebevolle Mutter, als gute Schwester, als treue Freundin. Ich verlor die Frau meines Freundes, die Freundin meiner Frau, eine bezaubernde Gastgeberin, eine begnadete Köchin.
Sie hatte den Mut, in eine fremde Kultur zu wechseln, und sie tat es nicht des Geschäftes wegen, sondern aus Liebe. Und sie hatte die Kraft, auch hier zu bleiben, obwohl das sicher nicht immer leicht war. Sie tat dies aus Treue zu ihrem Mann und aus Verantwortung zu ihren Kindern. Deshalb lebt sie weiter in der Liebe ihres Mannes, ihre Gene leben weiter in ihren entzückenden Töchtern und ihr Andenken lebt weiter in unserer Erinnerung.
Chee Ming kämpfte tapfer gegen die böse Krankheit. Sie hat dies nicht nach außen getragen, so wie sie auch andere Probleme ungern nach außen trug. Auch enge Freunde wussten nichts von ihrem Kampf. Sie schwieg aus Bescheidenheit; um Andere nicht zu belasten. Sie wäre gerne noch länger bei uns geblieben, aber das unergründliche Schicksal wollte es anders.
Die Zeit heilt alle Wunden aber die Narben bleiben. Ebenso die Hoffnung. Und die Liebe.
München, 24.01.2006